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http://myblog.de/asphalt.traeume

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#019

Und groß wollte sie sein. Die Worte sollten andere betäuben. Und berauschen. Und in ihre hässlichen Fratzen geschnitten werden. Aber der Regen rinnt das kaputte Fenster hinunter und niemand weiß, was sie tut. Was sie tun kann und was sie tun wird. Natürlich würde das hier niemand verstehen. Und auch die Frau im Bus neben ihr schaut sie seltsam an. Der Stift ist ihre Macht. Ihre AntiMacht.
Macht macht Langeweile. Aber woher soll sie das wissen? Woher soll man das wissen, wenn man nur Liebesbriefe schreibt. Liebesbriefe an jemanden, den man nicht liebt. Sie weiß, dass sie grausam ist. Aber der Stift will es so.
Und die Worte sind klein und groß und schmal, auf Papier und Wänden, mit Bleistift und Tinte geschrieben, im Kopf. Ganz viel. Und immer wieder im Kopf.
Die Worte.
26.5.08 21:22


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#018

Manchmal möchte ich dir weh tun. Und dann überlege und denke ich. Und jedes Mal ist da nichts. Es gibt nichts womit ich dir weh tun könnte. Das tut mir weh.

Du warst kurz in der Hauptrolle, ja. Aber das war es dann auch schon für dich. In meinem Kinofilm würdest du ein Schauspieler sein, der gecastet wurde. Ausschlussverfahren.

Du spielst keine Rolle mehr aber ich habe dir immer noch nicht weh getan. Das steht auf meiner To-Do-Liste. Nicht du. Nur das Wehtun.

29.4.08 16:41


#017

Alleine und blutend. Und die Kerzen erhellen mein Gesicht. Wie seltsam.
Ich lebe nicht in einer normalen Welt und ich bin kein normales Mädchen.
An mich zu denken könnte dich töten. Aber du darfst von mir träumen.
Wie seltsam du bist, wenn du auf mich einredest. Ich sehe dein Gesicht.
Und ich betrachte dich. Dich und deine Wünsche. Und lecke das Blut.
Von meinen Lippen lecke ich dein Blut. Du schmeckst mir nicht. Seltsam.
Und du fragst dich, was das soll und wieso es so ist. Aber ich denke,
dass du es schon verstehen wirst. Irgendwann. Wenn das Seltsame
verflogen ist und du aufhörst mich zu erträumen. Das hier ist alles schön
seltsam, nicht wahr? Ich reagiere nicht auf deine Stimme und spüre deinen
Halt nicht. Und dir bleibt schließlich immer noch der Schlaf. Träume von mir.
21.4.08 19:21


#016

Dunkle Nacht und kein Licht. Weder hier noch dort. Überall nichts. Und es ist vier Uhr morgens. Vier Stunden nach Tagesbeginn. Und der Schlaf ist quälend weit weg. Um diese Zeit falle ich immer noch wach aus dem Bett. Kriechend und ängstlich schleiche ich von Zimmer zu Zimmer. Lasst mich bloß nicht schlafen. Niemals.
Büßen werde ich für meine Taten, für meine Gedanken, für meine Gefühle.
Wem gehört diese Stimme? Und wo ist der Sinn dieser kranken Träume? Woher kommt das viele Blut? Und warum gehe ich nicht einfach ins Bett?
Wach sein hat keinen Sinn, wenn ich doch bereits halb tot bin. Aber der Schlaf verkörpert Ignoranz, Qual und Erlösung in einem.
Ich schließe meine Augen und bete, dass die Stunden nicht so endlos gleich aussehen würden. Aber nichts ändert sich. Weder hier noch dort. Überall alles.
21.4.08 19:11


#015

Du bist mein Licht und mein Stern. Etwas, was ich immer gesucht habe. Und, was ich niemals verlieren möchte. Ich gebe dir alles, was ich habe. Ich opfere mein Ich für dich und behandle dein Ich wie eine Gottheit.
Ich lese dir jeden Wunsch von den Augen ab. Ich zeige dir all mein Gefühl und berichte dir von jeder noch so kleinen Begebenheit. Ich hebe dich in den Himmel und fange dich, wenn du fällst. Ich heile deine Wunden und lecke dein Blut. Ich berühre deine Seele und kenne deine Gedanken.
Und, ganz ehrlich, das muss ich dir noch sagen, das solltest du wissen: Ich bin ein Lügner.
14.4.08 11:09


#014

Und die Kälte wärmt dein Herz auf. Lächelnd schließe ich die Augen und fühle den Beton an meiner Haut. Der Beton fühlt meine Haut. Hier und dort. Der Himmel versucht dunkelrot zu werden und ein kühler Wind schlängelt sich an den Körpern, Häusern und Bäumen vorbei.

Aber du bist hier. Soweit ich mich erinnern kann, bin ich es ebenfalls. Hier. Und dort.

Ich spüre die Blicke nicht. Ich spüre die strafende Verachtung nicht. Keine Schuld. Keine Last. Einfach nur hier sein und dem Himmel zusehen, wie er schwarz wird. Oder dunkelblau. Mit kleinen leuchtenden Punkten.

Du würdest mir einen davon klauen, sagst du. Einen Punkt. Den rahme ich mir dann ein und hänge ihn an eine große, leere Hauswand. Damit man ihn sieht. Und wir liegen hier und geben mit unserer Anwesenheit an, während der Himmel dunkelrotblauschwarz ist.

10.4.08 14:50


#013

Und dort sitzt du nun. In deiner kleinen Seifenblase. Zu schwer um zu fliegen. Zu leicht um zu zerplatzen. Es ist nicht still hier drin. Aber ein wenig einsam. Und die Laute, die Worte und die Blicke dringen nicht ganz bis zu dir hindurch. Nur ein bisschen. Immer nur ein bisschen. Niemals ist irgendwas komplett. Alles hat zwei Seiten. Ach, wärest du doch nur komplett schlecht, nicht wahr? Du bist Nummer 1,5. Die Geräusche sind dumpf. Und du versuchst dich umzusehen. Und etwas zu erkennen. Und auszumachen, wo du bist. Du kennst das hier. Weißt aber dennoch nichts. Nichts ist nicht nichts. Sondern ein bisschen. Weil nichts komplett ist, Nr. 1,5.

8.4.08 07:42


#012

'Nowhere is my home, nowhere I'm alone' sagst du und drehst dich um. Dein arroganter Gang verrät dich. Du verrätst dich. Du bist verraten. Du spürst ein Brennen, an deinen Schultern, an deinem Haar und weißt, dass es sein Blick ist. Du gehts jetzt nach Nowhere. Dort soll es schön sein. Und im Nowhere bist du alleine. Seine Stimme wird leiser. Und auch die Schläge sind kaum noch zu spüren. Er ist fast weg von deinem Körper. Nur das Blut ist noch zu schmecken. Sein Blut. Dein Blut. Im Nowhere blutet man mehr aber dort ist es nicht seine Schuld.
Als dein Handy beginnt sich bemerkbar zu machen, greifst du desinteressiert in deine Tasche, greifst es und zerschmetterst es an der Mauer rechts neben dir. Fast hättest du seine Stimme durch das tausendteilige Telefon noch gehört.
Nach Nowhere ist es ein weiter Weg und du gehst langsam. Nichts überstürzen.
1.4.08 00:44


#011

Irgendwas ist hier anders, denke ich und verlasse mein schwarzes Auto. Ich schaue mich misstrauisch um und versuche etwas ungewöhnliches zu erkennen. Aber alles sieht so aus wie immer. Sicherheitshalber zünde ich mir noch eine Zigarette an. Zur Beruhigung.

Meine Schritte sind kaum zu hören als ich die Treppen zu der Wohnung im zweiten Stockwerk hochgehe. Mir fällt auf, dass ich keine Musik höre. Ich höre auch keine Gläser zerbrechen oder Schläge gegen die Wand. Nichts. Vollkommene Ruhe. Wie angenehm, denke ich.

Ich bin rebellisch, total. Und so ziehe ich an meiner Zigarette und qualme das Treppenhaus voll. Spießige Nachbarn, denke ich und grinse.

Als ich die Tür aufschließe reagiert hinter der Tür, in der Wohnung, nichts. Vielleicht ist er Wodka kaufen gegangen. Vielleicht war das Gras leer. Oder die Tabletten sind wieder in irgendeine undefinierbare Flüssigkeit gefallen und haben sich lautlos aufgelöst. Ich betrete die Wohnung und stelle meine Tasche neben den Schrank. Unterbewusst lasse ich meine Schuhe an.

Ich rufe seinen Namen. Das tue ich instinktiv, das tue ich immer. Denn schließlich ist alles, wie immer. Keine Antwort. Hoffentlich schläft er. Hoffentlich schläft er ohne Wodka. Hoffentlich muss ich keine Kotze aufwischen. Oder Blut.

Blut. Nüchtern registriere ich, dass die Wand voller Blut ist. Und er darunter liegt. Und nicht atmet. Gar nicht mehr. Fast Fuß an Fuß stehe ich mit ihm dort. Mein Blick wandert nach oben zu dem verschmierten Blutfleck. Ich bewege mich nicht. Er tut es ja auch nicht. Mehr.

Ich weiß nicht, was ich denken soll. Ich weiß nicht, was jetzt passieren soll. Und ob mir ein Leben mit Tabletten, Gras und Wodka nicht lieber gewesen wäre. Meine rechte Hand greift zu dem Telefon neben mir. Ich wähle die Nummer der Notrufzentrale.

„Ich brauche...“ sage ich.

„Ja? Hallo? Frau...?“ hallt es vom anderen Ende.

„Ich brauche die Polizei. Mein Freund hat sich erschossen.“ sage ich ruhig und fast schon gleichgültig. Die Uhr sagt mir, dass es 23.30 Uhr ist. Genau. Ich gebe die Adresse und meinen Namen durch. Und lasse nach dem Gespräch das Telefon fallen. Der Aufprall auf dem Parkettboden ist schmerzlich laut. Ich muss mich erst wieder an Lautstärke gewöhnen. Das alles hier dauert bereits mindestens drei Ewigkeiten. Ich drehe mich um und verlasse die Wohnung. So, wie ich es immer tat, als er den Wodka zu schnell trank. Oder als er Gläser in der Nähe meines Kopfes zerschmetterte. Kaputt. Und jetzt: Aus.

Ich hätte es wissen sollen. Ahnen. Denken. Und verdammt noch mal irgendwas unternehmen. Aber ich lief. Ich ließ die Tür offen, die untere Haustür ebenfalls. Und rannte um mein Leben. Weg von meinem zerlegten Freund mit dem Hirn an der Wand. Weg von der nach Kotze stinkenden Wohnung. Weg von den tausend von Jointblättchen. Weg von den verklebten Gläsern. Überall. All das war überall. Aber es ist vorbei. Ich hätte nichts tun können. Es war seine Entscheidung.

Und ich renne bis ich hinfalle und einfach liegen bleibe.

Wir alle fallen irgendwann hin und wollen einfach liegen bleiben. Jetzt ist mein LiegenBleiben an der Zeit. Ja, definitiv.
28.3.08 10:05


#010

Die Schritte hallen von den Bäumen wieder. Und deine Hand hält meine Hand fest. Kalt und mein Blick geht in die andere Richtung. Ich seufze und versuche definiert einen Schritt vor den anderen zu setzen. Ich bin ja jetzt glücklich. Das ist ganz neu und ich muss das toll finden. Ich bin glücklich mit dir. Wir sind die Lovestory des Jahres. Wir schreiben Geschichte, Baby. Und mein Blick geht nach oben. Du redest von Musik und wie lahm hier alles sei. Aber glücklich, ja, das sind wir jetzt. Jetzt und hier und so froh, dass wir uns endlich sehen können.

Wir werden gefragt, wohin dieser Weg geht und diese Frage stelle ich mir auch schon seit Stunden. Du antwortest dem Mann als würdest du hier schon ewig sein. Dann nimmst du wieder meine Hand und schaust mich an.

Wir gehen am Wasser entlang und sind bestimmt ganz glücklich. Du drückst mich an dich und ich schaue auf das Wasser. Vielleicht sehe ich dich ja.

Du versuchst mich zu küssen und ich stoße dich weg. Ich gehe. Schritt für Schritt. Zu den Steinen und suche die Zigarettenstückchen, die hier schon lange nicht mehr liegen können. Nur ein Stück DNA von dir.

Ich erwähne deinen Namen nicht. Sondern du bist nur unter „er“ bekannt. „Er“ hätte so viel falsch gemacht. „Er“ hätte mich nicht richtig behandelt. Du schaust mich verwundert an und beobachtest mich, wie ich das Wasser, den Sand und die Steine nach „er“ absuche. Das weißt du aber natürlich nicht. Denn du bist ja glücklich. Ich schließlich auch.

Ich habe „er“ verlassen weil es einfach nicht gepasst hat, sage ich. Du sagst nichts. Und wenn du es versuchst, sage ich dir, dass du sowieso keine Ahnung hättest. „Er“ weiß schon, was er falsch gemacht hat. Das sage ich, denke ich und weiß ich.

„Er“ hatte so warme Umarmungen für mich. Deine Hände greifen kalt nach meinen.

„Er“ hatte so schön dumme Sprüche. Du trinkst und bist den ganzen Tag glücklich mit deinem BMW.

Wir gehen den Weg entlang. Weiter. Und vor allem zusammen. Glücklich, wie noch nie. Endlich haben wir uns.

Ich würde zu viel von „er“ reden, sagst du. Das sei totaler Blödsinn und das würdest du auch wissen. Ich lasse deine kalten Hände los und zünde mir eine Zigarette an. Zumindest versuche ich es. Mein Feuerzeug ist leer. Du hast natürlich keins, arroganter Nichtraucher.

 

 

Zwei Stunden später schicke ich dich weg. Du kommst wieder. Ich laufe weg. Weine und sitze auf dem Gehweg. Vielleicht gehört das nur zum Schauspiel unseres Glücks. Als ich wieder zurückkehre ist dein Koffer verschwunden. Wir sind glücklich, okay? Ich hole dich zurück auf mein Bett und rede auf dich ein. Du wolltest mich glücklich machen, verdammt. Du versuchst mich zu küssen. Ich trinke einen großen Schluck Bacardi. Pur. Brennt besser im Herz.
25.3.08 14:34


#009

Langsam öffnen wir die Augen und schauen zum Fenster. Entsetzt stellen wir fest, dass es immer noch dunkel ist. Und der Platz neben uns leer. Weder links noch rechts ist jemand. Du hier. Und ich dort. Stunden von einander entfernt. Ich drehe mich auf die rechte Seite, du dich auf die linke. Und wenn du träumen würdest, bin ich bei dir - sagtest du. Ich träume nicht. Du schon. Trotzdem ist es mir nicht recht bei dir zu sein. Ich gratuliere dir, denke ich und schließe meine Augen. Du wirfst nur weg, was geschehen ist. Mehr nicht. Aber weniger leider auch nicht. Herzlichen Glückwunsch. Alles Gute und Schlechte. Ein schönes Leben noch. Ich murmle all diese Verabschiedungen vor mich hin. Vielleicht sogar in der Hoffnung, dass ich sie irgendwie und irgendwann glauben könnte. Und sie, die Menschen, sprechen vom endgültigen Happy End. Mit Freudentränen und einem wütenden Lächeln. Ich spreche nicht einmal vom End. Ohne Happy. Ich werde weitergehen, aufstehen und dich vergessen. Denn schließlich habe ich nur Mitleid mit dir, mit deinem Kopf und deinem missbrauchten Selbstbild. Und so lüge ich dich mit jedem Wort an. Jeden Tag. Jede alkoholgetränkte Nacht.
Es geht nicht darum, dass ich dich liebe. Und auch nicht darum, dass ich dich hasse. Ich werde nur irgendwann meinen Kopf verlieren, wenn ich nicht aufhöre. Aufhören mit meinem größten Freizeitbeschäftigung.
Es geht nur darum, dass ich nicht weiß worum es geht.

21.3.08 15:44


#008

Das klare Badewasser ist schon kalt. Schon viel zu lange. Meine Haut ist weiß und von der Kälte aufgeweicht. Der Stoff des T-Shirts klebt am Rücken, am Bauch, an meiner Haut. Das Schwarz des Mascaras ist auf meinen Wangen getrocknet. Die Tränen sind stumm und sinnlos verebbt und mit dem Badewasser verbunden. Salziges Wasser. Zu wenig Salz. Wie immer zu wenig. Nicht genug. Seelen, Gedanken und Handlungen reichen nicht aus. Ich reiche nicht aus. Für niemanden. Die Haare hängen in feuchten Strähnen über mein Gesicht und verschleiern das, was war. Die Frage nach dem, was passiert ist, stelle ich mir seit Stunden schon nicht mehr. Die Türen sind verschlossen und die Kälte kriecht in die Seele. Das Salz im Badewasser wird jetzt neutralisiert, beschließe ich. Ich bin in der Lage Beschlüsse zu fassen. Immer noch, denke ich langsam und zaghaft. Ich sollte sanft sein. Bin ich aber nicht. Nie gewesen. Noch einmal kurz die Augen schließen. Eine kurze Zeit. Eine lange Zeit. Zeit. So relativ wie Leben an sich. Leben an mir? Danach solltest du suchen. Hast du etwas gefunden? Oder nur etwas, was sich Zerstörung nennt? Du weißt es selbst schon gar nicht mehr, oder? Es wird, ist und war immer meine Schuld. Mir gegenüber ist etwas, was die Menschen Spiegelbild nennen. Das bin ich. Nicht. Niemals. Ich lege den Kopf schräg und betrachte meine Lippen, meine Augen. Leer und alles ist viel zu kalt. Trotz ewiger Dunkelheit kann ich mich nicht erkennen. Aber ich sehe ein Gesicht. Ob dies meines ist, werde ich niemals herausfinden. Weil ich mich niemals finden werde. Weil ich die Suche schon seit Jahren aufgegeben habe.

Die Wasserneutralisation. Der Plan. Stand er nicht schon vor Stunden fest? Und ich frage mich, warum es immer noch ein Stück Überwindung kostet das Wasser zu neutralisieren. Meine Hand geht nach rechts und tastet nach etwas, was dort schon seit Stunden auf Beachtung wartet. So, wie ich von dir beachtet werde. Das Badezimmer wird durch einen Blitz erhellt. Ein künstlicher Blitz. Ich ignoriere die Tatsache, dass es so etwas gibt. Das Feuerzeug leuchtet auf und entzündet den Tabak in dem Papier. Zigaretten sind eine kurzzeitige Erlösung. Kurze Zeit. Der Qualm scheint geruchsneutral zu sein. Ich bin neutral und meinungslos. Gedankenlos. Und ich habe die Ignoranz gepachtet. Wie lange habe ich dich ignoriert? Drei Stunden? Und immer mit dem Wissen im Hinterkopf, dass du dort sitzt. Du mit deinem künstlichen Blitz. Du, der mich sieht und verachtet. Der, der mich sieht und kaum erkennt. Es macht dir Spaß. Wie es mir dabei geht hat an Bedeutung verloren. Bedeutungslosigkeit ist meine Miete. Der künstliche Blitz macht den Zigarettenqualm sichtbar. Der Geschmack tut in den Wunden weh. Die Wunden im Mund. Ein leichter Nachgeschmack von Blut. Metallisch und süß zugleich. Stumme Gewalt hat dich dazu getrieben. Die Welt macht aggressiv. Und mich macht das alles nur noch müde. Und wenn man niemals schlafen will ist, ist man niemals komplett wach. Dir entwischt ein Seufzer. Und mir wird schmerzlich bewusst, dass du immer noch da bist. Ich kenne deinen Körper. Jeden Zentimeter deiner physischen Existenz. Aber was du denkst, ist frei. Freiheit. Eine ruckartige Bewegung aus deiner Ecke. Ich schrecke zusammen. Das Metall schneidet sich in meine Handgelenke. Und kein Laut entwischt meinem Mund. Meinem Inneren. Meiner Seele. Du hast mein Leben in Ketten gelegt. Alte, rostige Metallketten. Das Zimmer erinnert an einen schlechten Film. Aber du drehst schon lange keine Filme mehr über Puppen. Ich frage mich, wie lange du noch schweigen willst. Dein Schweigen tut mehr weh als deine Schläge. Ich bin selbst Schuld. Das hier ist allerdings keine Frage der Schuld. Sondern eine Frage der Macht. Aber wenn niemand diese Frage stellt, werde ich weiterhin lügen. Und sagen, dass ich so etwas, wie Freiheit, besitze. Ich werde sagen, dass ich hingehen kann, wo ich will. Und, dass ich bleiben werde, so lange ich will. Dass du meinen Willen willst, will ich dabei gar nicht wissen. Ich spüre deine Ungeduld. Deine Wut auf meine Existenz. Habe ich mich jemals dafür bei dir entschuldigt? „Mach schon!“ zischst du mir mit deiner verrauchten Stimme entgegen. Ich sage nichts. Der Mut etwas gegen deinen Willen zu sagen ist vor Jahren gestorben. Und ich bin einfach mitgegangen. Es ist nicht so, dass es noch weh tun würde. Aber ich weiß, dass es dir weh tut. Und, dass ich dir weh tun kann. Die Frage nach der Macht wird niemals gestellt. Das wäre zu gewagt. Von dir. Von mir. Das alles verliert täglich an Relevanz. Mein Leben verliert an Inhalt. Ich handle zwischen Zigaretten, Klingen, Ketten und dir. Du, der Puppenspieler mit dem künstlichen Blitz. Ich hätte fast deinen Befehl vergessen. Fast hätte ich dich vergessen. Fast hätte ich mehr riskiert, als ich riskieren darf. Ich greife nach links und spüre, wie mich die Ketten ein Stück zurückhalten, aber ich muss stärker sein, als simples Metall. Schon immer. Auch, wenn ich allein bin. Und das bin ich. Auch, wenn du dabei bist, während ich allein bin. Du hast gelitten. Sehr viel. Früher. Ohne mich. Ich weiß, dass es dir ohne mich immer schlecht ging. Aber dann haben wir uns gefunden. Du magst kein Feuer. Du magst lieber kalten Wind, gefrorenes Wasser und kaltes Metall. Die einzige Wärme, die du duldest, ist die Wärme meines Blutes. Ich berühre die Klinge und schließe für kurze Zeit noch einmal die Augen. Nur, um dir zu zeigen, dass ich unter deinen Handlungen leide, während du seit Stunden still in deiner Ecke sitzt. Während du mir durch dein Schweigen zeigst, dass du da bist. Immer und immer wieder. Das Wasser bewegt sich. Ich bewege mich langsamer, als alles andere dieser in Welt. Dein Blitz erhellt den Raum. Und schon ist wieder alles dunkel. Ich rieche den Rum in der Luft. Du atmest ihn aus. Durch deine Haut. Durch deinen Mund. Durch deine Augen. Und der Rest wird der Welt verborgen bleiben. Du legst deinen künstlichen Blitz zur Seite und betrachtest mich durch die Dunkelheit. Ohne mir ginge es dir schlecht.
19.3.08 12:30


#007

Und es ist nicht so, als würdest du nicht existieren. Aber wenn du deine Augen schließt und nach einer Unebenheit namens Hoffnung suchst, was findest du dann? Findest du etwas, was sich Resignation nennt? Du willst nicht, dass ich weiß, wer du bist. Und wo du hingehst. Welchen Weg du nehmen wirst, wenn du herausfindest, dass es nur einen Weg gibt. Oder du gehst zurück. Zurück an den Ort an dem Puppen an den Bäumen hängen und dich anstarren als wärst du eine von ihnen. Wo sie wissen, dass du nicht du bist und, wo sie dir deine Erinnerungen streitig machen wollen. Du rennst durch eine kalte Nacht. Durch eine weitere kalte Nacht und weißt genau, dass es am Ende keine warme Umarmung für dich geben wird. Weil du falsch bist, Puppenkind. Einfach nur falsch. Es bringt nichts, dass du es versuchst zu ändern. Durch diese Versuche gibst du nur ein weiteres Mal preis, dass du gar nicht existieren willst. Und, dass die Luft an jedem Tag viel zu schwer in deiner Seele liegt. Wenn sie doch nur wehen würde, die Luft. Aber das tut sie nicht, oder? Nein, das hat sie nie getan.
19.3.08 09:43


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